Wettlauf im KI-BoomAmazon finanziert gigantisches Gaskraftwerk für Rechenzentren

Der Wettlauf der Techriesen um die Führerschaft bei künstlicher Intelligenz führt zu einem Kampf um Energie. Amazon setzt für drei seiner künftigen Rechenzentren auf ein Gaskraftwerk. Aber nicht irgendeines, sondern das größte der USA.
Der Internetkonzern Amazon finanziert in Texas für seine Rechenzentren ein riesiges Gaskraftwerk, das leistungsstärker als alle bisherigen Anlagen in den USA werden soll. Das Unternehmen bestätigte am Freitag entsprechende Berichte. Es ist das jüngste Beispiel dafür, wie die großen Technologiekonzerne im Wettlauf um Künstliche Intelligenz versuchen, sich vom öffentlichen Stromnetz unabhängig zu machen und selbst Energie für ihre Rechenzentren zu erzeugen.
Das Marktanalyseunternehmen Cleanview hatte zuvor Satellitenbilder ausgewertet, um drei in dieser Woche von Amazon eingereichte Baugenehmigungen für Rechenzentren mit dem privat geplanten Gaskraftwerk in Texas in Verbindung zu bringen, das von Pacifico Energy entwickelt wird und unter dem Namen "GW Ranch" läuft. Aus zuvor eingereichten Genehmigungsunterlagen für das Kraftwerk geht hervor, dass die Anlage über 35 Turbinen verfügen und eine Leistung von 7,65 Gigawatt erzeugen soll - mehr als jedes derzeit in den USA betriebene Gaskraftwerk. Auch für deutsche Verhältnisse ist das eine gewaltige Größe. Die drei letzten hiesigen Atomkraftwerke, die 2023 vom Netz gingen, hatten jeweils eine Leistung von etwa 1,4 Gigawatt.
Zum Vergleich: Laut BUND sind derzeit in Deutschland rund 90 Gaskraftwerke mit einer installierten Leistung von 35,5 Gigawatt in Betrieb. Das sind im Schnitt knapp 0,4 GW je Gaskraftwerk.
Durch die eigene Stromerzeugung werde vermieden, dass die Kosten für die KI-Entwicklung an die Bürger weitergegeben werden, erklärte Amazon. Die Stromrechnungen der Privathaushalte sind in den USA zuletzt oft stark gestiegen, weil die Versorgungsunternehmen Kosten für die Schaffung der für den KI-Boom notwendigen neuen Infrastruktur an Verbraucher weiterreichen. "Amazon ist der Überzeugung, dass die Kosten für die Energieversorgung unserer Betriebsabläufe voll von uns getragen werden sollten", sagte ein Unternehmenssprecher.